Abtreibung aus Männersicht: Schmerz, Verlust und unerwartete Folgen

„Ich solle sie nicht mehr kontaktieren, es gebe kein Kind mehr.“

17.03.2025

Männer
Mann mit Kopf in den Händen auf einer Parkbank sitzend. (Symbolbild) Copyright by IMAGO / Westend61

Die Zeit hat einen Artikel darüber veröffentlicht, wie Abtreibung auch das Leben und die Partnerschaft von Männern beeinflusst.

Der 42-jährige Philip schrieb der Zeitung über seine Abtreibungserfahrungen mit seiner damaligen Ex-Freundin. Monate nach der Trennung hatten die beiden wieder miteinander geschlafen: „Auf einer Parkbank eröffnete sie (Ex-Freundin) mir, dass sie schwanger sei und das Kind bekommen wolle. Sie wünschte sich eine gemeinsame Familie für das Kind, einen Neustart unserer Paarbeziehung.“

Trotz des Schocks der ungeplanten Schwangerschaft wollte Philip für das Kind da sein, aber „nicht wieder ihr Partner werden“. Die beiden hätten sich deswegen auf einer Parkbank gestritten, und danach habe ihn seine damalige Ex-Freundin auf WhatsApp blockiert. Anschließend schrieb Philip einen Brief, auf den sie nicht mehr reagierte.

„Also bereitete ich mich allein darauf vor, bald Vater zu werden. Ich lieh mir die alten Babysachen meiner Schwester, plante in meiner WG ein Kinderzimmer, kaufte mir ein größeres Auto“, erzählte Philip weiter.

Drei Monate vor dem errechneten Geburtstermin schickte er seiner Ex-Freundin ein Päckchen mit alkoholfreiem Sekt und Vitaminen für die Schwangerschaft. Daraufhin erhielt Philip einen Brief mit niederschmetterndem Inhalt: „Ich solle sie nicht mehr kontaktieren, es gebe kein Kind mehr.“

Philip war am Boden zerstört: „Ich hatte so viele Gefühle in mir: Trauer, Wut, Angst.“

In einem klärenden Gespräch teilte die Ex-Freundin mit, dass sie das Kind in der 13. Schwangerschaftswoche abgetrieben hatte. „Sie hatte wohl bis zum Schluss gehofft, dass wir wieder ein Paar würden. Als das nicht passierte, entschied sie sich für den Eingriff“, sagte Philip.

Er habe wegen des Gesprächs geweint: „Ich wollte ihr keine Vorwürfe machen, weil ich merkte, wie allein sie in der Situation gewesen war. Und das tat mir leid, ich wäre gerne für sie da gewesen.“

Eine weitere Abtreibungserfahrung machte Max, 33 Jahre, mit seiner Freundin. „Es war im Frühling 2020, als meine Freundin mir erzählte, dass sie schwanger sei. […] Ich war ziemlich überrumpelt, musste erst einmal tief durchatmen, wusste aber sofort, dass ich sie unterstützen würde – egal, wie sie sich entscheidet“, erzählte er.

Seine Freundin wünschte jedoch eine Abtreibung, da beide nur über geringe finanzielle Mittel verfügten und in einer 16 Quadratmeter kleinen Wohnung lebten.

„Es gab einen Plan, dem mussten wir folgen. Als wir in die Klinik fuhren, waren wir aufgeregt, aber nicht wegen des Abbruchs an sich, sondern weil es ein operativer Eingriff war, der immer mit Risiken verbunden ist“, erzählte Max weiter. Er habe die Tage als „starkes Funktionieren in Erinnerung“.

Doch heute denkt Max „immer mal wieder an dieses ungeborene Kind“. Er ertappe sich dabei, wie schön es wäre, wenn seine Eltern schon ein Enkelkind hätten. „Ich habe diese Gedanken auch, wenn ich an Spielplätzen vorbeilaufe oder mit Freunden, die kleine Kinder haben, Zeit verbringe“, berichtete Max.

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